Meine Haltung zum Thema: Flüchtlinge in Österreich und Europa

Metropolico.org_FlüchtlingeNun sind wir Gasteltern eines UMF, eines unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings aus Afghanistan. Viele Menschen gratulieren uns dazu. Das freut mich sehr! Es gibt mir noch mehr Motivation, mich neben unserem Unternehmen Geld&WertCoaching nun dieser Aufgabe zu widmen. Für mich ist jeder Mensch, den ich begleiten darf, ein Leuchtturm – Projekt. Dieser Mensch hat einen Einfluss auf seine Umgebung. Insofern mache ich das auch für das Gemeinwohl: Indem ich ein Beispiel geben möchte, dass es gut für uns alle ist, wenn vor allem junge Flüchtlinge individuell begleitet werden. Amir hat alle Voraussetzungen dazu: Er möchte unbedingt in die Schule und einen Abschluss machen und dann arbeiten gehen. Dabei werden wir ihn unterstützen.
Weil ich oft gefragt werde und weil ich möchte, dass mein weiteres Umfeld und die LeserInnen meines Blogs meine Haltung zu den Flüchtlingen kennen, fasse ich im Folgenden zusammen, was dabei für mich wichtig ist:
1. Ich engagiere mich für Flüchtlinge und bin ihnen gegenüber grundsätzlich sehr positiv eingestellt. Ja, es gibt auch schwarze Schafe unter ihnen. Aber die haben wir in unserer Gesellschaft auch.
Ich finde es sogar richtig gut, dass diese Menschen da sind, so traurig die Gründe dafür sind. Da wird uns bewusst, wie gut es uns geht. Und als gelernte Historikerin weiß ich, dass wir gerade einem historischen Ereignis beiwohnen, dies sich meist nicht ankündigen und von dem wir noch unseren Enkeln erzählen werden. Dass dieses Ereignis vorhersehbar war, hören Viele nicht gerne, vor allem die Politik:
2. Stark verkürzt: Wir wissen mittlerweile, dass auch Europa die Kriege auf dem Gewissen hat, vor denen die Menschen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak fliehen. Stichwort Kolonialzeit. Gute Erklärungen gibt Karin Kneissl, die meint, der Erste Weltkrieg sei noch nicht zu Ende: http://www.kkneissl.com.
3. Wir wissen auch, warum die Flüchtlinge den gefahrvollen Weg zu uns auf sich nehmen: In den Flüchtlingslagern des internationalen Flüchtlingswerks UNHCR, http://www.unhcr.at  in den Nachbarländern Syriens gab es schlicht nichts mehr zu essen. Weil unsere Staaten dem UNHCR zu wenig bis kein Geld überwiesen haben. Dabei wäre die Versorgung von Flüchtlingen viel günstiger in den Lagern der UNHCR (1 Euro / Tag / Flüchtling) als bei uns (20 Euro / Tag / Flüchtling) Quelle: Sabine Grabner, WS Asylrecht der Diakonie, Oberwart, Nov. 2015.
4. Und wir wissen, zu was sich unsere Staaten in Westeuropa bekennen: Die Menschenrechtskonvention, die Genfer Flüchtlingskonvention, die UN Charta, usw., sagen uns: wir sind verpflichtet, den zu uns flüchtenden Menschen zu helfen. Diese Aussage kommt von einem ranghohen Beamten aus dem österreichischen Außenministerium. Und für mich bedeutet das auch, die Willkommenskultur zu pflegen, die viele von uns praktizieren.
5. Und jetzt kommt das für mich wichtigste Argument: Mit welchem Recht glauben wir hier in Westeuropa, nur wir dürfen hier leben? Deshalb ist für mich die Unterscheidung zwischen Kriegsflüchtling und Wirtschaftsflüchtling nicht groß, was deren Berechtigung betrifft, hier zu sein: Diese Menschen haben offensichtlich ganz existentielle Gründe, einen lebensgefährlichen Weg zu uns auf sich zu nehmen. Ich war selbst in Albanien, Montenegro und Bosnien.  Ich weiß, wie es den Menschen dort geht.
6. Bevor jemand glaubt, ich bin naiv, ein “Gutmensch” (ein geradezu unmenschlicher Begriff), stelle ich hier klar: Ja, es wird sicher Brösel geben, so viele Menschen hier zu integrieren. Wahrscheinlich gibt es große Probleme am Arbeitsmarkt, am Wohnungsmarkt, bei der Integration von Menschen aus ganz anderen Kulturen. Es wird eine riesen Herausforderung. (Eine ältere Dame erzählte mir unlängst, die nach Österreich geflüchteten Ungarn seien auch nicht wirklich integriert gewesen – sie fielen halt nicht auf, weil sie kulturell so ähnlich sind …)
7. Nun sind diese Menschen aus Kriegsgebieten und aus Gegenden ohne Hoffnung hier bei uns und ich sage: Es ist gut, dass sie da sind! Das könnte heilsam sein für unsere Gesellschaft. Das wäre die Chance für ein solidarisches Europa.
8. Wer sich immer noch schwer tut mit Menschen aus Syrien, Afghanistan, Irak, usw., dem schlage ich vor, sich einmal in die Nähe von den Menschen zu wagen, die hier untergebracht sind. Örtliche Bürgerinitiativen und NGOs organisieren Begegnungen, bei denen sich Flüchtlinge, Asylbewerber und Einheimische treffen. Das organisiert zum Beispiel dieser Verein im Südburgenland, den ich mit gegründet habe. Viele der Flüchtlinge können gut englisch sprechen, bzw. haben schon deutsch gelernt. Und erzählen dann ihre Geschichten, die niemanden mehr kalt lassen. Und viele erzählen auch, dass sie wieder zurück wollen. Und wenn Jede und Jeder von uns, die es können und wollen, sich um diese Menschen kümmert (das muss ja nicht gleich als Pflegeeltern sein ;-)), dann entwickeln sich diese Menschen, vor allem die Jungen, so, wie wir es uns wünschen: Als Teil unserer Gesellschaft, mit allen Rechten und Pflichten, die hier in Österreich, bzw. in Europa gelten. Und dann müssen wir uns auch keine Sorgen machen, dass sich jemand radikalisiert und Bomben wirft. Denn genau vor denen sind diese Menschen ja geflüchtet!
Foto: flickr, Metropollco.org, Flüchtlinge. https://flic.kr/p/xA6cjS
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