Götterdämmerung in der Finanzbranche

In den letzten Tagen haben mich die Nachrichten sehr ermutigt. England schafft in einem drastischen Schritt die Provisionsberatung bei den Finanzdienstleistern ab. Sie sei das Hauptübel für die Spekulationsblase im Privatimmobiliensektor.

Die auf Vermögensverwaltung spezialisierte (relativ kleine) österreichische Capitalbank leistet quasi einen Offenbarungseid in einem Brief an ihre Kunden bei ihrem Geschäftsmodell, das sie so nicht mehr weiterführen will: „Die ganze Wahrheit liest sich so: Die Bezahlung der Kosten für die Beratung und Betreuung im Private Banking erfolgt teilweise nicht durch Sie als Kunde, sondern indirekt. Zwar auch von Ihrem Vermögen, aber eben nur indirekt und damit für Sie nicht sichtbar. Die Anbieter von Fonds oder Zertifikaten zahlen an die Banken, die diese Produkte den Kunden empfehlen, laufende Provisionen für eben diese Empfehlung. Eine gesetzliche Regelung erlaubt es den Banken diese zu behalten. Was ist die Folge? Der Berater wird zum Diener zweier Herren. Einerseits ist er für Sie als Berater tätig. Dafür zahlen Sie. Andererseits soll er den Zusatzverdienst seiner Bank maximieren und dazu neben den hauseigenen Produkten jene von provisionszahlenden Anbietern empfehlen. So ist das System.“ Hier der ganze Brief.
Dieses System veranlasste uns Florians schon vor Jahren, aus der Branche auszusteigen und hier eine neue Form der Unterstützung anzubieten , weil wir das Geschäftsmodell vor den KundInnen nicht vertreten konnten. In meinen Blogs https://www.florians.eu/?p=824 und http://geldcoaching.unternehmerweb.at/index.php/honorarberatung-versus-provisionen/#comments wies ich schon vor längerer Zeit auf den Interessenkonflikt hin. Die Reaktionen aus der Branche waren bezeichnend.
Mittlerweile wird in Bankerkreisen über Social Banking 2.0 philosophiert. Dass das mehr sein muss, als ein buntes Sofa im Kassenraum, sollte Allen klar sein, die für die verunsicherten KundInnen WIRKLICH was tun wollen. Ich habe Hochachtung vor dem mutigen Schritt der Vorstände der Capitalbank und bin neugierig, ob sich die Landschaften in der Finanzszene dadurch ändern werden. Einfacher Test für Sie: Fragen Sie doch mal Ihren Finanzberater, ob er Ihnen auch Produkte empfehlen würde, bei denen er keine Provision von dritter Seite bekommt! Berichten Sie uns von den Reaktionen!

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